Geschichte der Begegnungszone
Von der Wohnstrasse zur Begegnungszone
Mit dem Bestreben nach mehr Sicherheit, mehr Lebensqualität und mehr
Bewegungsfreiraum in dicht bebauten Wohnquartieren, in denen private und
öffentliche Freiflächen in geringem Masse vorhanden sind oder sogar fehlen,
wurde Anfang der 80er-Jahre nach niederländischem Vorbild in der Schweiz
die "Wohnstrasse" eingeführt. Ziel dieser Wohnstrassen war es, einen
gleichberechtigten und vielfältig nutzbaren Strassenraum zu schaffen,
der die Trennung der Verkehrsarten aufhebt und dem Fussverkehr Priorität
einräumt. Die gesamte Verkehrsfläche sollte als Mischverkehrsfläche
besonders gestaltet und dem Fussverkehr - für Spiel und Sport und als
Begegnungsstätte - zur Verfügung gestellt werden.
Trotz der grundsätzlich positiven Einstellung gegenüber Wohnstrassen und
anfänglichem Mauboom konnte sich diese strikte Art und Weise der
Verkehrsberuhigung nur unzureichend durchsetzen. Die aufwendigen baulichen
Massnahmen zur Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität in
Wohngebieten erwiesen sich als zu kostenintensiv. Wegen der strengen
Auflagen war die Wohnstrasse wenig flexibel und nur auf wenige Strassen
mit den entsprechenden Anforderungskriterien anwendbar. Die Wohnstrasse
hat sich daraufhin nur mässig verbreitet und wurde selten errichtet.
Zudem wirkte der langwierige Prozess bis zur Bewilligung, verbunden mit
einem ausführlichen Gutachten, abschreckend.
Die Geburt der Begegnungszone
Im Rahmen des Schweizer Energiesparprogrammes Energie 2000 und der Umsetzung
der lokalen Agenda 21 wurde Burgdorf 1995 als Fussgänger- und Velomodellstadt
der Deutschschweiz auserkoren. Im Bahnhofquartier wurde daraufhin eine
"Flanierzone" als Pilotprojekt eingerichtet. Ziel war es, eine Alternative
zur Fussgängerzone zu entwickeln, die dem Fussverkehr unter angepasster
Zulassung des motorisierten Verkehrs das "Flanieren" in attraktiver
Geschäftsumgebung ermöglicht.
Trotz anfänglicher Skepsis und Kontroversen zeigte sich bei den Verkehrsteilnehmenden
und bei den Gewerbetreibenden eine positive Resonanz. Der Versuch in Bugdorf -
und ein weiterer in St. Blaise - zeigten, dass nicht nur in Wohngebieten,
sondern auch in stark durchmischten, innerörtlichen Gebieten, in denen die
voraussetzungen für eine Fussgängerzone nicht gegeben sind, sichere und
attraktive Verhältnisse für den Fussverkehr geschaffen werden können und
gleichzeitig der Fahrverkehr zugelassen werden kann.
Im Januar 2001 wurde das Modell der Burgdorfer "Flanierzone" zur ersten
"Begegnungszone" in der Schweiz umbenannt. Seit Januar 2002 ist die Begegnungszone
in der Schweiz zugelassen.
Quelle: Mann, Silvia. 2004. Untersuchungen über die Möglichkeiten und
Konsequenzen der Einrichtung von Begegnungszonen in der Stadt Zürich.
Diplomarbeit. Technische Universität Dresden.
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